USA: Soldaten der US Special Operations Forces, die verdeckt an der russischen Westgrenze operieren

Der prozentuale Anteil der Soldaten der Special Operations Forces, die nach Europa verlegt wurden, hat sich im letzten Jahr vervierfacht.

“Sie sind sehr besorgt über den benachbarten Widersacher. Und sie machen keinen Hehl daraus.” sagte General Raymond Thomas, der Chef des US Special Operations Command / SOCOM, auf einer Konferenz zur nationalen Sicherheit, die in Aspen, Colorado, stattgefunden hat. “

Mit “Sie” waren Staaten in Osteuropa und im Baltikum und mit “Widersacher” der russische Präsident Putin gemeint. Thomas, der Kommandeur der US-Elitetruppen warnte auch vor dem damaligen russischen Militärmanöver “Zapad”, was übersetzt “Westen” heißt, an dem 10 Schiffe der russischen Marine, 70 Kampfjets und Hubschrauber und 250 Panzer beteiligt waren.

“Besorgt sind die Osteuropäer vor allem deshalb, weil zu dem Manöver bis zu 100.000 russische Soldaten nach Weißrussland kommen, die vielleicht nicht wieder abziehen. Und das hat nichts mit Paranoia zu tun”, fügte Thomas hinzu.

Thomas vom SOCOM hatte zugegeben, dass sich entlang der russischen Grenze auch viele seiner Soldaten aufhalten, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß. Sie haben das Manöver Zapad beobachtet und sind weiterhin vor Ort.

In den letzten beiden Jahren haben die USA Soldaten ihrer Special Operations Forces in fast alle Staaten an der russischen Westgrenze verlegt. “Wir sind dort ständig präsent, auch in andern Ländern entlang der russischen Grenze. Gemeinsam mit unseren Verbündeten bereiten wir phänomenale Dinge vor, um gegen alle Bedrohungen gewappnet zu sein,” erklärte Thomas und nannte in diesem Zusammenhang nicht nur die baltischen Staaten, Polen und Rumänien, sondern auch die Ukraine und Georgien.

Seit den 9/11-Anschlägen sind die US Special Operations Forces / SOF in jeder Hinsicht gewachsen. Sie bekommen immer mehr Geld und Soldaten und operieren inzwischen weltweit. Täglich führen rund 8.000 der insgesamt 70.000 Soldaten der SOF in mindestens 80 Staaten Einsätze durch – im Lauf eines Jahres in 70 Prozent aller Staaten der Erde.

Nach Aussage Michael Weismans, eines Sprecher der SOF in Europa, deren Hauptquartier sich ebenfalls in Stuttgart befindet, waren die SOF 2017 in 21 europäischen Staaten präsent und haben in noch mehr Staaten Übungen veranstaltet.

“Außer in Russland und Weißrussland haben wir in praktisch jedem europäischen Staat bilaterale oder multilaterale Trainingseinsätze durchgeführt,” hat er der Website Tom Dispatch mitgeteilt. Der prozentuale Anteil der SOF, der in Europa operiert, hat sich in den letzten vervierfacht. Nur in Afrika war die Steigerungsrate im gleichen Zeitraum noch höher.

Die verstärkte Verlegung von Soldaten der SOF nach Europa spiegelt sich auch in dem Programm Joint Combined Exchange Training / JCET wider, mit dem US-Kommandotrupps auf Kriegseinsätze im Ausland und die Zusammenarbeit mit ausländischen Streitkräften vorbereitet werden. 2012 wurden 29 JCETs in Europa durchgeführt, 2016 waren es 37, davon sechs in Bulgarien, drei in Estland, drei in Lettland, drei in Polen und drei in Moldawien.

“Gegenwärtig richtet sich unser Fokus vor allem darauf, unsere Verbündeten durch den Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen auf die gemeinsame Abwehr aggressiver russischer Aktivitäten vorzubereiten und ihre Widerstandskraft zu erhöhen,” erklärte SOCOM-Chef Thomas zu Beginn des laufenden Jahres vor Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Repräsentantenhauses.

“Wir arbeiten mit dem US-Außenministerium und unseren Partnern hart daran, Ost- und Nordeuropa auf die Abwehr unkonventioneller russische Kriegshandlungen vorzubereiten und trainieren deshalb auch ihre Spezialkräfte.” In diesem Jahr haben sich US-Kommandotrupps in allen Staaten entlang der russischen Grenze aufgehalten. Im März haben zum Beispiel mit Motorschlitten ausgerüstete Soldaten der Green Berets im finnischen Teil Lapplands ein Kalt-Wetter-Training mit einheimischen Truppen durchgeführt.

Im Mai haben Navy SEALS mit einheimischen Soldaten am Manöver Flaming Sword 2017 in Litauen teilgenommen. Im Juni haben Soldaten der 10th US Special Forces Group und polnische Kommandotrupps in der Nähe des polnischen Ortes Lubliniec einen Angriff aus der Luft und die Evakuierung von Verwundeten geübt.

Im Juli haben Spezialkräfte der U.S. Navy an dem seit 20 Jahren jährlich in der Ukraine durchgeführten Manöver Sea Breeze teilgenommen. Im August haben Soldaten der Air Force von der 321st Special Tactics Squadron im Rahmen eines Militärmanövers auf einer Landstraße bei Jägala in Estland für A-10-Kampfjets, die zur Panzerbekämpfung eingesetzt werden, eine Landebahn eingerichtet.

Im gleichen Monat haben Ausbilder der SOF während des Manövers Noble Partner in Georgien einheimische Kommandotrupps beraten. “Die Zusammenarbeit mit den Spezialkräften Georgiens war fantastisch,” meinte Capt. Christopher Pulliam, der Kommandeur der für die Überwachung aus großer Distanz zuständigen H-Kompanie des 121st Infantry Regiment’s der Army National Guard des US-Bundesstaates Georgia.

“Wir hatten den Auftrag, mit kleinen Teams Erkenntnisse über das Operationsgebiet zu sammeln. Mit unserer Hilfe konnten die Spezialkräfte Georgiens die Situation am Boden besser erkennen und schneller reagieren.” Spezialkräfte für spezielle Kriegshandlungen Nicht nur die USA setzen immer mehr SOF-Einheiten ein. Nach Erkenntnissen der US Defense Intelligence Agency / DIA bestehen die Speznas-Truppen, die Spezialkräfte Russlands, aus rund 30.000 Soldaten und sind damit noch nicht einmal halb so groß wie die SOF der USA.

SOCOM-Chef Thomas hat vor Mitgliedern des Verteidigungsausschusses des Senats im Mai dieses Jahre erklärt, auch Russland versuche mit Hilfe seiner Spezialkräfte seine Interessen auf unkonventionelle Art und Weise durchzusetzen. Solchen Versuchen müssten die SOF der USA entgegentreten. Die Streitkräfte der USA, die russischen Streitkräfte und viele andere Staaten haben sich auf geheime, verdeckte und andere unkonventionelle Kriegshandlungen eingestellt.

Im gleichen Zeitraum haben die USA SOF-Kommandotrupps in Afghanistan und in Pakistan, im Irak und in Syrien, im Jemen, in Somalia, in Libyen, in Niger und in der Zentralafrikanischen Republik eingesetzt. Die SOF der USA waren auch präsent in Jordanien, in Kenia, in Dschibuti und in Kamerun. Laut Aussage des US-Präsidenten Trump befinden sich bewaffnete SOF-Kommandotrupps derzeit auch noch in anderen Staaten.

In einem Interview hat der pensionierte Generalleutnant Charles Cleveland, der von 2012 bis 2015 SOCOM-Chef war und jetzt am Army War College lehrt, nicht nur die Fehler der US-Militärführung in den Kriegen im Irak und Afghanistan, sondern auch “die politischen Fehlentscheidungen” kritisiert, die zu diesen Kriegen geführt haben, in denen man mit wenig tauglichen militärischen Mitteln politische Ziele durchsetzen wollte.

Das US SOCOM Europe in Stuttgart hat auf Fragen von Tom Dispatch zur ungeklärten Lage in Staaten vor Russlands Haustür nicht geantwortet. Die vollzogenen Truppenbewegungen sprechen aber eine deutliche Sprache. Im Januar wurden zum Beispiel Panzer, sonstige Militärfahrzeuge und andere militärische Ausrüstung nach Deutschland verschifft und dann nach Polen gebracht – zur Unterstützung der Operation Atlantic Resolve.

Im Rahmen dieser Operation, die nach Feststellungen des Congressional Research Service “die NATO-Verbündeten und Partner … angesichts des russischen Eingreifens in der Ukraine beruhigen soll”, wurden rund 3.500 Soldaten des 3rd Armored Brigade Combat Team’s der 4th Infantry Division für neun Monate nach Europa verlegt; im September wurden sie von 3.300 Soldaten mit 1.500 Fahrzeugen des 2nd Armored Brigade Combat Team’s der 1st Infantry Division abgelöst, die auf fünf osteuropäische Staaten aufgeteilt wurden.

Anfang Oktober hat sich das russische Verteidigungsministerium darüber beschwert, dass die hohe Anzahl von US-Soldaten im Baltikum gegen die NATO-Russland-Grundakte verstößt. Ende letzten Jahres haben sich aktive und pensionierte höhere Offiziere, ehemalige Botschafter, Wissenschaftler und Experten zu einem Symposium an der National Defense University / NDU in Washington DC getroffen und sich mit dem Thema “Das Engagement Russlands in der Grauzone” beschäftigt. Weil das Symposium nach der Chatham House Rule durchgeführt wurde, blieben die veröffentlichten Beiträge anonym.

Die teilnehmenden US-Amerikaner warfen Russland Kriegstreiberei und Hinterhältigkeit vor. Sie äußerten u.a.: “Russland befindet sich immer im Kriegszustand, scheut aber die direkte Konfrontation. Es gibt subversiven verdeckten Operationen den Vorzug vor offener Gewaltanwendung.”

Die Experten, die sich in der NDU versammelt haben, forderten eine groß angelegte Kampagne mit folgenden Schwerpunkten: Russland müsse durch harte Sanktionen geschwächt werden, russische Dissidenten sollten mediale Unterstützung erhalten und über soziale Netzwerke gepuscht werden, mit Aufrufen zum Widerstand müsse psychologische Kriegsführung betrieben werden, und die SOF sollten den Schattenkrieg fortführen – der, wie Charles Clevland andeutete, offensichtlich bereits im Gange ist.

Die USA sollten von den Rebellen in Tschetschenien lernen. Die hätten “dezentrale Operationen gestartet und – oft sogar von einzelnen Dschihadisten initiierte – Widerstandsnester gebildet. Die SOCOM-Aktionen sollten unkonventionell und überraschend sein, um mit modernen russischen Taktiken konkurrieren zu können,” heißt es in einer Zusammenfassung des Symposiums.

 

 

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