Malta: Belohnung von einer Million Euro ausgesetzt, die zur Aufklärung des Mordes an Daphne Caruana Galizia führen

Die maltesische Journalistin und Bloggerin,Daphne Caruana Galizia wurde am 16. Oktober 2017 in Bidnija durch eine Autobombe getötet.

Sie schrieb u.a. auch einen Blog mit dem Titel Running Commentary, das Ergebnisse investigativen Journalismus’ enthält sowie Kommentare zu Personalia, wovon einige von ihren Gegnern als persönliche Angriffe gewertet wurden. Ihr Blog war einer der meistgelesenen in Malta.

Caruana Galizias kontroverser Blog führte zu mehreren Rechtsstreitigkeiten. 2010 erhob sie auf ihrem Blog Vorwürfe gegen die Untersuchungsrichterin Consuelo Scerri Herrera, die sie im Gegenzug wegen Verleumdung anzeigte. Im November 2011 wurde Galizia von dem Verleumdungsvorwurf freigesprochen. Die Richterin hatte zuvor angeboten, ihre Strafanzeige zurückzuziehen, wenn Galizia zugebe, die rufschädigenden Anschuldigungen selbst nicht hinreichend geprüft zu haben, was Galizia jedoch ablehnte.

 

Nach Caruana Galizias Ermordung richtete ihre Familie einen dringenden Appell an die maltesische Justiz, die gerichtliche Voruntersuchung des Falls nicht der turnusmäßig zuständigen Untersuchungsrichterin Scerri Herrera zu überlassen, da diese zu häufig mit Galizia aneinandergeraten war.

Am 8. März 2013 wurde Caruana Galizia festgenommen, weil sie den politischen „Burgfrieden“ einen Tag vor den Parlamentswahlen 2013 verletzt habe. Sie hatte Dokumente veröffentlicht, die den damaligen Oppositionsführer Joseph Muscat belasteten. Sie wurde von der Polizei vernommen und nach einigen Stunden wieder entlassen.

Caruana Galizia war eine Gegnerin der totalitären Regime in der arabischen Welt. Als im nahegelegenen Libyen im Februar 2011 Proteste gegen das Gaddafi-Regime ausbrachen, organisierte sie Demonstrationen vor der libyschen Botschaft. Außerdem kritisierte sie die linke EDEK-Partei aus Zypern, der sie vorwarf, die Umstände in Libyen zu beschönigen und gute Beziehungen mit dem dortigen Regime zu unterhalten. Den involvierten Personen, so sagte sie, sei bereits lange vor den ersten Demonstrationen klar gewesen, dass in Libyen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Nachdem Gaddafi im Oktober 2011 von einem Mob Aufständischer getötet worden war, schrieb sie, auch Assad sei überfällig.

 

Caruana Galizia war die Erste, die die Verwicklung von Konrad Mizzi und Keith Schembri in den Panama-Papers-Skandal aufdeckte.

 

2017 schrieb sie, dass Egrant, eine weitere Firma aus Panama, Michelle Muscat gehöre, der Frau von Premierminister Joseph Muscat. Diese Anschuldigungen führten dazu, dass Muscat im Juni 2017 vorzeitige Parlamentswahlen anordnete, mit dem Ergebnis, dass Muscats Malta Labour Party an der Regierung blieb. Nach der Wahl zeigte sich Caruana Galizia auch als harte Kritikerin der Nationalistischen Partei Maltas unter Oppositionsführer Adrian Delia.

Caruana Galizia wurde mit einer Autobombe getötet. Kurz nachdem sie von ihrer Wohnung in Bidnija aus losgefahren war, explodierte ihr gemietetes Auto. Der Wagens wurde durch die Wucht der Explosion über eine Mauer auf ein angrenzendes Feld geschleudert. Caruana Galizia hatte wegen Morddrohungen mehrfach Strafanzeige erstattet, zuletzt zwei Wochen vor ihrem Tod.

Das Attentat wurde von Premierminister Joseph Muscat verurteilt, der trotz ihrer Kritik an ihm erklärte, er werde „nicht ruhen, bevor der Gerechtigkeit genüge getan wurde“. Der ehemalige Premierminister Lawrence Gonzi sagte bei einem Trauermarsch in der Stadt Sliema, „dass Malta eine Journalistin mit außergewöhnlichem Mut verloren hat, die in schwierigen Momenten ihre Argumente hervorgebracht hat, obwohl sie sich der Risiken bewusst war“. Andrew Borg-Cardona von der Grünen Partei beschuldigte die maltesische Regierung, der Journalistin keinen Personenschutz angeboten zu haben, obwohl diese vor dem Mord bedroht worden war. Ihr Sohn Matthew, der selbst dem internationalen Investigativjournalistenverband ICIJ angehört und das Attentat auf seine Mutter aus geringer Entfernung miterlebte, nannte als Hauptgrund für ihre Ermordung ihren couragierten Einsatz gegen Gesetzesbruch und die Tatsache, dass sie damit allein gestanden habe. Doch es gab auch gehässige Reaktionen. Ein Polizist, der nach Galizias Tod auf seiner Facebookseite gegen sie gehetzt und ihren Tod gefeiert hatte, wurde vom Dienst suspendiert.

Am Sonntag gingen in der Hauptstadt Valletta Tausende Menschen zum Gedenken an die getötete Journalistin auf die Straße.

Direktor Christophe Deloire, Reporter ohne Grenzen, zu dem Attentat:
„Die Killer wollten sie zum Schweigen bringen, sie wollen uns zum Schweigen bringen. Aber sie werden keine Minute Schweigen haben“.

Als Angriff auf die freie Presse sehen viele den Anschlag auf die Journalistin. Die Hintergründe der Tat sind bisher im Dunkeln. Bereits zuvor hatte es auf Malta fünf Anschläge mit Autobomben gegeben, jedoch sind alle nicht aufgeklärt worden. Die Familie der Getöteten sieht eine indirekte Mitschuld an den Verhältnissen in Malta bei Ministerpräsident Joseph Muscat. Sie fordert den Rücktritt des Politikers, der früher selbst Journalist war. Im Juni hatte er mit seiner Partei die vorgezogenen Parlamentswahlen deutlich gewonnen.

Die maltesische Regierung hat eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung des Mordes führen.

Das FBI und ein gerichtsmedizinisches Team aus den Niederlanden sind den maltesischen Behörden bei der Aufklärung des Mordes behilflich.

 

 

Beitragsbild: wikipedia

daphnecaruanagalizia.com

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