Der IS wird sich selbst besiegen, er implodiert

Der Islamische Staat, meint Curti Covi, ist in Kürze Vergangenheit. Der 33-jährige Innichner arbeitet seit 2 Jahren am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK). „Der IS wird implodieren“, sagt Covi. Doch an der dschihadistischen Ideologie ändere das wenig: Sie lebe weiter.

Heutzutage ist Krieg nicht mehr das, was er noch vor 70 Jahren war. Heute wird Krieg asymmetrisch geführt. Das heißt: Staatliche und nicht-staatliche Akteure – die auch mit anderen Mitteln, wie eben Terrorismus, versuchen, Politik zu machen – treffen aufeinander. Zu diesen nicht-staatlichen Akteuren zählt das Terrornetzwerk Al Qaida.

Der IS ist schon weiter, das hat mit Politik nichts mehr zu tun. Der IS will tatsächlich Prophezeiungen vollbringen. Man will mit seine Anschläge den Westen provozieren. Der IS will, dass der Westen mit Bodentruppen in Syrien und im Irak einschreitet, weil eine Prophezeiung das Weltenende bei Dabiq, einem Vorort von Aleppo, vorhersieht – und damit den Triumphzug des Islams. Ähnlich wie im Christentum das Jüngste Gericht. Das Weltenende soll eingeleitet werden.

Am Ende geht es nicht um Vergeltung für westliche Interventionen im Nahen und Mittleren Osten, sondern tatsächlich um Religion. Die Interventionen haben zur Ist-Situation beigetragen. Aber es wäre vermessen zu glauben, dass die Anschläge des IS eine Antwort darauf wären. Islamistischer Radikalismus ist im Islam angesiedelt, wie ein Krebsgeschwür.

Der Westen trägt keine Schuld am islamistischen Radikalismus
Das ist zwar zugespitzt, aber das könnte Covi unterschreiben.

Wären die USA und ihre Verbündeten nie im Nahen Osten eingeschritten, der islamistische Radikalismus hätte sich trotzdem ausgebildet.

„Islamische Gesellschaften sind in ihrer Entwicklung stehen geblieben. Versuche, neue Muster zu etablieren, sind allesamt gescheitert. Deswegen war die Losung: Zurück zu den Wurzeln. Wieso sollte man westliche Gesellschaften nachäffen, westlichen Idealen hinterherjagen, wenn der Weg zurück, zum reinen Islam, offen steht? Auch das ist nun sehr zugespitzt formuliert. Aber so könnte man es erklären“.

Ob sich nun Personengruppen auf die eigenen, religiösen Wurzeln besinnen wollen, könnte man als persönliche, private Entscheidung werten. Sie kommen damit mit dem Westen in Konflikt, weil wir die „Ungläubigen“ sind.

Was den Islamischen Staat anbelangt, geht um Religion. Das heißt nun nicht, dass jeder Mensch, der sich zum Islamischen Staat bekennt, ein Überzeugungstäter ist. Da sind viele Opportunisten, Mitläufer dabei, Menschen, denen eine Gehirnwäsche verpasst worden ist. Aber die Entscheidungsträger im IS sind religiöse Fanatiker.

Die Religion wird nicht für andere Motive vorgeschoben. Der IS will das Weltenende herbeiführen – als Krönung des Islams.

„Weltenende“ bedeutet: Jene mit wahrem Glauben, also sie, kommen ins Paradies und wir, die Ungläubigen, kommen in die Hölle. Der Kreis, wie ihn der Koran vorzeichnet, soll geschlossen werden. Ich weiß, das klingt aus unserer Sicht unglaublich.

Derzeit gehen mehrere Staaten mit Luftangriffen gegen den IS vor. Doch Kritiker meinen, wenn schon, bräuchte es auch Bodentruppen, um den IS zu besiegen. Covi geht davon aus, dass er sich selbst besiegt, er implodiert, weil es bei Organisationen mit religiösem Anstrich recht häufig vorkommt.
So auch bei den Vorgängerorganisationen des IS: Diese hatten 2005 / 2006 kleinere Landstriche im Irak behauptet und waren als „Beschützer“ der sunnitischen Bevölkerung angesehen worden, wie der IS heute. Doch am Ende bildete sich so ein harsches Regiment heraus, dass sich die Menschen von den Organisationen abgewandt und den Amerikanern zugewandt haben, mit der Bitte diese radikalen Organisationen zu vertreiben. Dies war die erste Niederlage von dem Konstrukt, das wir heute IS nennen.

Luftangriffe können diesen Prozess des Implodierens beschleunigen. Zudem muss man den IS bei den Finanzen treffen.. Wenn pünktliche Zahlungen ausbleiben, wird die Organisation instabiler. Die Stimmung kippt, Spannungen kommen auf. Diese können am Ende dazu führen, dass es einerseits, organisationsintern zu Zerwürfnissen kommt. Und andererseits, dass die Organisation radikaler wird und so dem eigenen Ende noch schneller zusteuert.

Die USA hat sich dieser Vorgehensweise verschrieben. Seit 15 Jahren, seit dem Beginn des „War on Terror“, handeln die USA recht klug.

Am Ende kann nur die Organisation IS gestoppt werden, nicht aber die dschihadistische Ideologie, die dahinter steckt. Der IS wird bald zur Vergangenheit zählen, nicht aber die dschihadistische Ideologie an sich. Dafür muss sich noch eine ganze Reihe an Faktoren ändern.

Die USA wählen im November einen neuen Präsidenten. Kritiker sagen heute schon: Kommt ein Republikaner oder Hillary Clinton an die Macht, verschärft sich der Konflikt im Mittleren Osten wieder.

Die Demokraten sind sicher für weisere außenpolitische Entscheidungen bekannt.

Beitragbild: „Dschihadi John“ ist im November von einer Drohne getötet worden. In mehreren Videos hatte er Geiseln grausam ermordet. Curti Covi sagt: Terrorismus ist vor allen Dingen eine psychologische Waffe.

Quelle: Öffentliche Medien

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Ein Gedanke zu “Der IS wird sich selbst besiegen, er implodiert

  1. Sehe ich ähnlich der IS wird zusammenbrechen, weil er ein Zusammenschluss mehrerer Organisation und Akteure ist. Und Sobald der Erfolg fehlt und/oder die Interessen sich auseinander bewegen wird der IS zusammen brechen.

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