Norwegen: 60 Prozent des Geldes im Umlauf ist außerhalb der Kontrolle der Banken

Die größte norwegische Bank, DNB ASA, wird das Bargeld für ihre Kunden abschaffen. Der Chef der DNB, Trond Bentestuen, sagte in einem Interview, dass „Norwegen kein Bargeld braucht. 60 Prozent des Geldes, das in Norwegen im Umlauf ist, ist außerhalb unserer Kontrolle und es sei naheliegend anzunehmen, dass dieses Geld in der Geldwäsche kursiere“.

Der Banker gestand ein, dass es nur teilweise um Schwarzgeld gehe. „Ein Teil dieses Geldes liegt bei den Leuten unter der Matratze. Es ist Geld, das wir nicht sehen.“

Die Banken wollen sich den Zugriff über die Vermögenswerte der Bankkunden sichern. Norwegens Wirtschaft befindet sich wegen der tiefen Erdölpreise in einer schweren Krise und ist in dieser Hinsicht ein Vorbote einer möglichen neuen Weltwirtschaftskrise.

Die Wirtschaft des Landes ist zu etwa zwei Dritteln vom Erdölgeschäft abhängig. Unter Preisen von 70 Dollar pro Barrel Öl (159 Liter) können die Förderunternehmen des Landes laut dem norwegischen Notenbank-Chef keinen Profit mehr erzielen. Derzeit liegt der Preis für die Nordseesorte Brent sogar unter den reinen Produktionskosten.

Der Ölpreisverfall hat in Norwegens Industrie bereits Spuren hinterlassen und zum Abbau von rund 30.000 Arbeitsplätzen und einer steigenden Arbeitslosenquote geführt. Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sind im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge gesunken, was den Staatshaushalt belastet.

Deshalb wird erwartet, dass die Zentralbank im laufenden Jahr den derzeit bei 0,75 Prozent liegenden Leitzins noch weiter absenken muss.

Einige Banken des Landes verzichten schon bereits darauf, in ihren Filialen Bargeld auszugeben.

Norwegen gehört ebenso mit Schweden und Dänemark zu den eifrigsten Befürwortern eines rein digitalen Zahlungsverkehrs. Die Aktivitäten rund ums Bargeld beschränken sich allerdings nicht auf Skandinavien.

Auch der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, hat in Davos gegen das Bargeld positioniert, weil es „fürchterlich teuer und ineffizient“ sei.

Der IWF hatte bereits vor Jahren eine Vermögensabgabe von zehn Prozent für alle Haushalte zur Lösung der Schuldenkrise in Europa ins Gespräch gebracht.

Der norwegische Ministerpräsident ist mit dem Finanzminister und dem Zentralbankchef zu einem außerplanmäßigen Treffen zusammengekommen. Für den Staat und die Banken liegen die Vorteile des bargeldlosen Zahlungsverkehrs auf der Hand. Sie könnten Sparer durch den Einsatz von Negativzinsen zum Konsumieren zwingen und durch Sonderverordnungen leichter enteignen.

Die neuen EU-Bankenregeln sehen vor, dass eine drohende Banken-Pleite durch die Gläubiger der Bank erfolgen muss. Das so genannte „Bail-In“ – das Heranziehen von Vermögen der Gläubiger und Anleger zur Sanierung von Banken – können im Vorfeld durch den Abzug großer Mengen Bargeld erheblich erschwert werden.

Für den Zugriff auf die Einlagen der Kunden gibt es in der Eurozone seit Jahresbeginn eine gesetzliche Grundlage. Norwegen könnte diese Praxis ebenfalls einführen. Sollte Bargeld tatsächlich abgeschafft werden, hätten die Sparer die Verfügungsgewalt über ihre Guthaben verloren.

Ein völliges Bargeld-Verbot würde nicht durchsetzbar sein. Angesichts der kritischen Lage vieler europäischer Banken, insbesonderer der italienischen, ist die geplante EU-Einlagensicherung wichtig, um das europäische Finanzsystem von den Sparern und Vermögensverwaltern retten zu lassen.

Die maroden europäischen Banken haben durch die Ankündigung, dass die EU-Einlagensicherung kommen werde, Zeit gewonnen. Mit der Teilnahme Deutschlands an der Vergemeinschaftung der Risiken können die europäischen Banken etwa 2.000 Milliarden Euro aus den deutschen Vermögensbeständen bei der EZB als Sicherheit für neue Kredite hinterlegen.

Anleger in der Schweiz holen Pensionsfonds ihre Gelder von der Bank, um es in Schließfächern und Tresoren zu lagern.
So könnten sie die Kontrolle behalten. Im Falle eines Banken-Crachs müssen sie die Renten auszahlen können, was bei geschlossenen Banken wie in Griechenland sehr schwierig ist.

In Deutschland wäre die Abschaffung von Bargeld verfassungswidrig. Das hat der Verfassungsrechtler Christoph Degenhart dargelegt. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass die Verfassung in Deutschland in den vergangenen Jahren von der Regierung nur noch eingeschränkt geachtet wird. Im Falle eines Banken-Crashs dürfte den Deutschen die Verletzung des Grundrechts auf ihr Eigentum als „alternativlos“ verkauft werden.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Norwegen: 60 Prozent des Geldes im Umlauf ist außerhalb der Kontrolle der Banken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s