Ehefrau kämpft für inhaftierten Blogger Raif Badawi

Ensaf Haidar hält zu ihrem Mann. Obwohl dem saudischen Blogger Raif Badawi eine unmenschliche Strafe droht, verliert sie nicht die Hoffnung. Jetzt kam eine schlimme Nachricht.

Der saudische Blogger Raif Badawi sitzt seit drei Jahren im Gefängnis. Wegen „Beleidigung des Islam“ war er zu zehn Jahren Haft und 1000 Peitschenhieben verurteilt worden. Seine Frau Ensaf Haidar kämpft unermüdlich für seine Freiheit. In dem neuen Buch: „Freiheit für Raif Badawi“ berichtet sie davon und das tat sie auch im Interview mit N24 welches wir hier  wiedergeben.

Frau Haidar, wie geht es Ihnen?

Ensaf Haidar: Ehrlich gesagt, habe ich momentan gemischte Gefühle. Als ich heute zu Hause ankam, hatte ich viele Mitteilungen und verpasste Anrufe auf meinem Handy. Die Nachrichten kamen von einem saudi-arabischen Komitee, dem „Verband für die Menschenrechte“. Sie schrieben, dass das Urteil gegen meinen Mann bestätigt wurde. Der Verband verfolgt den Fall bereits von Anfang an sehr genau und ich gehe davon aus, dass das auch so sein wird. Das Urteil, tausend Stockhiebe, zehn Jahre Haft und Ausreiseverbot, wird, so glaube ich, umgesetzt.

Aber Sie sind sich nicht sicher?

Haidar: Vor ein paar Tagen bekam ich vom Justizministerium einen Anruf. Sie sagten, dass die Akte von Raif zum obersten Gericht weitergeleitet wurde und der Fall noch in Prüfung sei. Irgendwas stimmt nicht. Ich habe das Gefühl, dass es eine Art „Spielerei“ gibt. Man weiß nicht, was wirklich stimmt und wer die Wahrheit sagt.

Haben Sie direkten Kontakt zu Ihrem Mann? Wie geht es ihm?

Haidar: Das letzte Mal hat er mich vor drei Tagen angerufen. Unser Gespräch dauerte maximal zehn Minuten. Raif fühlt sich momentan sehr schlecht. Sowohl gesundheitlich als auch seelisch. Das Essen im Gefängnis ist so ungesund, dass sich sein Zahnfleisch entzündet hat. Außerdem sitzt er zusammen mit Gewalttätern in einer Zelle, das muss man sich mal vorstellen.

Wie geht es Ihren Kindern?

Haidar: Ich versuche oft, mit ihnen über dieses Thema zu sprechen und sie mit ihrem Vater sprechen zu lassen. Sie sind mittlerweile groß und verstehen ziemlich viel. Ich beobachte manchmal, dass sie versuchen, ihre Gefühle nicht zu zeigen, weil sie Angst haben, mich dadurch zu verletzen. Manchmal, wenn ich sie anspreche, antworten sie beispielsweise nicht. Sie fangen an zu weinen – ohne zu sprechen.

Sie engagieren sich in einer Stiftung für Meinungsfreiheit und veröffentlichen gerade ein Buch. Was steckt dahinter?

Haidar: Die Stiftung war Raifs Traum, den ich ihm erfüllen möchte. Wir gründen diese Stiftung in Kanada und wollen damit eine Plattform für Blogger und Journalisten bieten. Was das Buch betrifft, die Idee dazu hatte eine Autorin. Ich habe das Angebot sofort akzeptiert, weil ich meine Geschichte der ganzen Welt erzählen möchte. Es steckt sehr viel Leidenschaft, sehr viel Liebe und sehr viel Leid darin. Sie erzählt, wie wir uns kennengelernt haben, vom Leben in Saudi-Arabien, unserer ungewollten Trennung und unserer heutigen Lebenssituation.

Für eine arabische Frau sind sie sehr viel in der Öffentlichkeit. Wie fühlt sich das an?

Haidar: Mein Ziel ist es, der ganzen Welt zu zeigen, dass mein Mann unschuldig ist und zurück zu seiner Familie kommen muss. Sein Platz ist hier unter uns, bei seinen Kindern. Durch meine Auftritte in der Öffentlichkeit will ich einen Beitrag für meine Liebe und Treue leisten. Ich wünsche jeder arabischen Frau, sich für ihre Rechte einzusetzen, denn nur so kommen wir im Leben weiter.

Sie verknüpfen Ihr Schicksal eng mit dem Ihres Mannes. Was treibt sie an? 

Haidar: Raif und ich sind ein Körper und eine Seele. Für Raif würde ich die Welt in Flammen stecken. Wir leben und sterben füreinander. Was mich antreibt, ist die Liebe und seine Unschuld. Wäre er wirklich schuldig, dann wäre ich mit dieser Strafe einverstanden. Er hat aber nichts gemacht, außer seine Meinung zu sagen. Muss man deswegen so bestraft werden?

Blogger sind in der muslimischen Welt immer wieder Opfer von Gewalt. Dennoch geben sie nicht auf. Haben sie eine Chance, etwas zu verändern? 

Haidar: Ich appelliere an sie [die Blogger, A.d.R.] und auch an alle anderen Journalisten: Schreibt, was ihr denkt. Legt den Stift nicht aus der Hand. Jeder soll die Möglichkeit haben, sich frei zu äußern. Sie müssen auch nicht alle gleich denken. Das vielfältige Denken bringt auch Fortschritte. Wir lernen voneinander und so kommen wir weiter.

Die Stiftung und das Buch – was kommt als Nächstes?

Haidar: In Saudi-Arabien dürfen Frauen und Männer nicht zusammen arbeiten. Sobald Raif freigelassen wird, will ich in unserer Stiftung jeden Tag mit ihm arbeiten. Frauen und Männer sollten gleichberechtigt sein und miteinander arbeiten können.

Wie sehen Sie die Zukunft für Ihren Mann und für Ihre Familie?

Haidar: Ich glaube fest daran, dass Raif bald freigelassen wird. Man darf nie die Hoffnung verlieren. Ich bitte die saudische Regierung, den Fall sofort und ganz genau unter die Lupe zu nehmen und über ihre Entscheidung nachzudenken. Wir werden nach seiner Freilassung gemeinsam mit den Kindern ein friedliches Leben, gefüllt mit Liebe, Freiheit und Erfolg beginnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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