Geld von Schlepperbande liegt in Deutschland

Recherchen mehrer  Journalisten  zufolge führt die Spur einer der größten Schlepper-Banden nach Deutschland.

Dort  sollen Millionen aus dem Geschäft mit der Flüchtlingsnot lagern. Es ist allerdings schwierig, die finanziellen Transaktionen der Menschenhändler nachzuvollziehen

Die Spur einer der größten Menschenhändler-Banden im Mittelmeerraum führt höchstwahrscheinlich  nach Deutschland.

Ermias G., der mit Haftbefehl gesuchte Boss einer internationalen Schlepper-Organisation, die das Geschäft mit den Flüchtlingsbooten von Libyen nach Italien organisiert, soll seine damit verdienten Millionen in der Bundesrepublik gelagert haben.

Das habe ein Kronzeuge den Ermittlern von Staatsanwaltschaft und Polizei in Palermo gesagt, und wird  von der  Presseabteilung der  örtlichen  Staatsanwaltschaft  bestätigt.

In Italien waren bereits vor einem Jahr und dann nochmals im April Dutzende Helfer und Hintermänner der Bande verhaftet worden.

Die palermitanische Ermittlergruppe hat ein Phantombild des um die 40 Jahre alten Äthiopiers Ermias G. veröffentlicht, der Kopf der Organisation sein soll. Die Ermittlungen, nach dem griechischen Meeresgott „Glauco“ benannt, waren nach der Tragödie vom Oktober 2013 vor der Insel Lampedusa aufgenommen worden

La Repubblica“ zitiert nach eigenen Angaben aus bisher unveröffentlichten Aussagen des Eritreers. Dass sich Ermias G. in Libyen aufhält, bestätigte der Kronzeuge. „Dort werdet ihr ihn aber nicht kriegen, weil er unter dem Schutz der libyschen Polizei steht“, habe Atta gesagt. „Ihr müsst das Geld suchen und der Frau folgen.“ Die Ehefrau des Bosses, Mana I., sei zuvor in Stockholm gewesen, jetzt lebe sie in der Region Frankfurt am Main. „All das Geld, das Ermias verdient, müsst ihr in Deutschland suchen“, habe Atta mehrfach betont.

Vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden war keine Stellungnahme zu erhalten. Die Ermittlungen müssten von Italien aus geführt werden, sagte eine Sprecherin.

Einer der beiden leitenden Staatsanwälte des Ermittlerpools in Palermo, Maurizio Scalia, verwies am Telefon darauf, dass die Aussagen des Kronzeugen zum Teil noch geheim seien.
Er wollte nichts bestätigen.

Zu möglichen Geld-Depots in Deutschland sagte er: „Wir sind nicht sicher. Es gibt noch keine sicheren Beweise dafür.“ Es sei äußerst schwierig, die finanziellen Transaktionen der Menschenhändler nachzuvollziehen, „schwieriger als bei Ermittlungen gegen die Mafia oder Drogenhändler“. Das Problem sei, dass im Schleusergeschäft keine herkömmlichen Zahlungsmittel wie Kreditkarten oder Banküberweisungen genutzt werden, erläuterte Scalia.

Staatsanwalt Scalia betonte, sein Team stehe in Kontakt mit Kollegen aus Nordeuropa und Deutschland. Es habe bereits Treffen bei der EU-Justizbehörde Eurojust in Den Haag gegeben. Die Ermittlungen gegen die Schleuserbanden seien aber schwieriger geworden. „Anfangs wussten sie nicht, dass wir sie abhören. Jetzt sind sie vorsichtiger“, berichtete er.

Ermias G. hat nach Schätzungen mit dem Schleusergeschäft in den vergangenen beiden Jahren rund 70 Millionen Dollar (62 Millionen Euro) verdient.

Er bietet ein „Komplett-Paket“ wie eine Reiseagentur, organisiert die Flüchtlings-Karawanen aus Eritrea, Äthiopien und Sudan bis Libyen, und dann weiter nach Italien und Nordeuropa. In einem von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten abgehörten Telefonat hatte er nach dem Unglück von Lampedusa mit einem Kontaktmann im Sudan gesprochen.

Über die vielen Toten redeten sie wie über einen kleinen Kollateralschaden. Die Flüchtlinge seien selbst schuld gewesen, sagte Ermias G. Sie hätten darauf bestanden, die Überfahrt anzutreten, obwohl er es nicht für den richtigen Moment hielt.

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