Letzte Zuflucht für kranke Griechen

Mehr als drei Millionen Griechen sind nicht krankenversichert. Doch dieser Tage müssen auch jene, die noch eine Versicherung haben, zur Geldbörse greifen. Aus Protest gegen große Schulden des griechischen Trägers für Gesundheitsleistungen (EOPYY) behandeln viele Kassenärzte Patienten derzeit nur gegen Barzahlung. Es ist ein weiterer Puzzlestein, der zeigt, wie kaputt das griechische Gesundheitssystem ist.

Es ist vor allem die Massenarbeitslosigkeit, die Folgen in der medizinischen Versorgung hat. Nach einem Jahr ohne Job geht auch die Krankenversicherung verloren. Bei der derzeitigen Rekordarbeitslosigkeit sind rund 30 Prozent der Griechen nicht mehr versichert. Die Auswirkungen lassen sich auch in den Gesundheitsstatistiken ablesen: Die Säuglingssterblichkeit ist gestiegen, ebenso Tuberkuloseerkrankungen und HIV-Neuinfektionen. Selbst Malariafälle traten wieder auf.

Von Spenden getragen

Um dennoch eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, haben sich in immer mehr Städten von Freiwilligen betriebene Kliniken etabliert. Waren es vor einigen Jahren nur eine Handvoll, sind es mittlerweile fast 50, in denen kostenlose Behandlungen angeboten werden Sie werden mit Spenden finanziert – teilweise aus Griechenland, teilweise aber aus anderen Ländern. So sammelt etwa die Salzburger Griechenlandhilfe gleich für einige der Sozialkliniken Geld.

Auch die Medikamente stammen aus Spenden. In einigen Städten helfen dabei Apotheken, die nicht mehr gebrauchte und noch nicht abgelaufene Arzneien sammeln und weitergeben. Ärzte und anderes medizinisches Personal arbeiten vollkommen ehrenamtlich. Kliniken sind dabei nur ein Aspekt der „Solidaritätsbewegung“, die es sich zum Ziel gemacht hat, Menschen in Notlagen zu helfen. Mehr als 400 solcher Initiativen verteilen Nahrung, vermitteln Dienstleistungen oder bieten Plattformen für Tauschgeschäfte.

Nur Untersuchungen erlaubt

In der Social Solidarity Clinic in Thessaloniki sind es rund 300 Helfer, die den Betrieb stützen und mittlerweile pro Jahr 90.000 Patienten behandeln, schreibt das Onlinemagazin Quartz.

Dabei machen sie sich sogar strafbar: Denn alles andere als eine reguläre Untersuchung dürfen sie eigentlich nicht vornehmen. Und auch die Weitergabe von nicht verwendeten Medikamenten an andere, „reguläre“ Spitäler, die diese dringend brauchen, ist eigentlich verboten.

Öffentliche Krankenhäuser in der Bredouille

Denn auch den staatlich betriebenen Krankenhäusern steht das Wasser längst bis zum Hals. Ihr Budget wurde mit den Sparpaketen allein zwischen 2010 und 2012 um 40 Prozent gekürzt, mit den ausstehenden Zahlungen der Krankenkassen können sie häufig die Schulden bei ihren Zulieferern nicht begleichen.

Der Krankenversicherer EOPYY hat mehr als eine Milliarde Euro Schulden bei internationalen Pharmakonzernen. Einige davon stellten bereits vor Monaten die Lieferung einiger Medikamente ein, andere betonten, sie lieferten weiterhin lebenswichtige Arzneien an die griechische Bevölkerung zu.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s